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Soziometrie

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Jacob Levy Moreno entwickelte die Soziometrie (zu Beginn in Österreich in Bereichen, die man heute der niederschwelligen Sozialarbeit zurechnen würde), um Strukturen von Gruppen, die für ihn eine Mittelstellung zwischen Individuum und gesamter Gesellschaft darstellen, messbar zu machen. War ihm die empirische Sozialwissenschaft und eine dieser angemessene Methodik auch ein Anliegen (was sich im metrum der Sozio-metrie, dem lateinischen Begriff für Maß, zeigt), lag sein Interesse doch hauptsächlich auf dem Mitmenschen (dem socius) als Mit-Mensch - eine damals wie heute leider noch vernachlässigte Sichtweise, nicht nur in den Wissenschaften. Daraus ergab ich eine humanistische Gesamttheorie der Gesellschaft, welche die Methodik der Soziometrie fundiert.

Der "einzelne Mensch" ist dieser zufolge gar nie einzeln, sondern es stellt das Bündel seiner Beziehungen und Rollen die kleinste Einheit seiner Existenz dar. Er steht so schon immer in einem Beziehungsgeflecht zur gesamten sozialen Welt. Hauptanliegen der Soziometrie ist es, Spannungen zwischen der Tiefenstruktur (den gelebten, erwarteten, vorbewußten, inoffiziellen usw.) sozialer Beziehungen, der sogenannten soziometrischen Matrix und der Oberflächenstruktur, den konventionellen Beziehungen (wie der bestehenden offiziellen Hierarchien in einer Organistaion) sichtbar und somit behandelbar, zu machen.

Dem sozialen Akteur soll (wieder) die Möglichkeit der Wahl spontanen und kreativen offenstehen, da Kreativität nach Moreno die Ursubstanz der Gesellschaft darstellt und Spontanität deren Katalysator ist. Im Prozess der Messung, in welche die Klienten immer aktiv eingebunden sind und nicht nur als beobachtbare, oder gar objektivierbare, Einheiten gelten, wird ein Kriterium vereinbart, auf welches hin der Soziometriker geeignete Methoden aus seinem Repertoire anbietet. Mit Hilfe des Soziogramms, können Abstoßungen und Anziehungen, sowie (unfreiwillige) Rollenverteilungen, im sozialen Experiment sichtbar und grafisch darstellbar gemacht werden. Der ausgebildete Soziometriker ist im Umgang mit derartig sensiblen Daten geschult und weist ein

humanistisch-ethisches Verständnis auf, das ihm ebenso sensible Rückmeldungen ermöglicht. Keinesfalls fungiert er als Verstärker von Ungleichheiten, immer als Vermittler zu deren Ausgleichung.